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Essstörungen

DEFINITIONUnterschieden werden Anorexie (Magersucht) und Bulimie (Ess-Brechsucht). Die Unterscheidung zwischen den beiden Krankheitsbildern ist nicht immer eindeutig. Zum Teil tritt ein Übergang der Anorexie in die Bulimie ein. Eine Entwicklung in der gegenteiligen Richtung ist selten. Die Anorexie ist durch massives Untergewicht gekennzeichnet, wohingegen an Bulimie Erkrankte oft normalgewichtig sind. Pubertätsmagersucht wurde erstmals 1868 vom englischen Arzt Gull beschrieben, die Bulimie wurde 1980 als eigenständige Diagnose erhoben.

HÄUFIGKEITDie Anorexie ist eine Krankheit wohlhabender Länder. Sie kommt in sozial höheren Schichten etwas gehäuft vor. Etwa ein Prozent der Mädchen ist irgendwann in ihrer Entwicklung betroffen. Bei Knaben ist die Störung extrem selten. Unter Tänzern und Läufern beiderlei Geschlechts soll die Anorexie gehäuft vorkommen. Auch gibt es prominente Beispiele von Skispringern.

URSACHENTiefenpsychologisch wird die Magersucht als Verweigerung der Sexualentwicklung verstanden. Mit Eintritt in die Pubertät geraten die betroffenen Mädchen in eine schwere Identitätskrise, welche der Auslöser für den Ausbruch der Krankheit sein kann. Das Abmagern als Versuch, völlige Autonomie und Selbstbestimmung zu erlangen mit gleichzeitigem Verleugnen von Abhängigkeitswünschen. Bedrohliche  Verlaufsformen können als Lebensverweigerung schlechthin verstanden werden. Nicht zu unterschätzen ist hier die Rolle des vorherrschenden gesellschaftlichen Schlankheitsideals, welchem in der Realität kaum jemand entsprechen kann. Auch bei Bulimie ist das Thema Ablösungs- und Abgrenzungskonflikte von grosser Bedeutung. Wiederholt wird auch auf eine hohe Rate von Inzesterfahrungen bei diesen Patientinnen hingewiesen.

SYMPTOMEDie Körperschemastörung ist das zentrale Merkmal der Erkrankung. Trotz massivem Untergewicht wird der Körper als zu dick wahrgenommen. Die durch Hungern, den Gebrauch von Abführmitteln und exzessiven Sport herbeigeführte Gewichtsreduktion hat bei Anorektikerinnen hormonelle Störungen mit Ausbleiben der Monatsblutung, Verzögerung in der Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale zur Folge. Bei den meisten Patientinnen fehlt die Krankheitseinsicht, was zu einem dramatischen und manchmal gar tödlichen Verlauf führen kann. Typisch für die Bulimie sind häufig auftretende Fressanfälle gefolgt von Scham- und Schuldgefühlen. Auch bei Bulimikerinnen ist die Gewichtskontrolle ein Dauerthema. Die Brechsucht ist nicht lebensbedrohlich, doch das regelmässige Erbrechen, der Gebrauch von Abführmitteln und Appetitzüglern führen oft zu ernsthaften medizinischen Problemen. Persönlichkeitsmässig gelten Anorektikerinnen als fleissig, leistungsbezogen, asketisch, perfektionistisch und im zwischenmenschlichen Bereich als kühl und unnahbar. Bulimikerinnen zeigen gehäuft impulsives Verhalten, suchen nach erotischer und anderer Stimulation und können Merkmale einer Borderline-Persönlichkeit aufweisen.

THERAPIEDie Wiederherstellung eines normalen Gewichts und normaler Essgewohnheiten ist das vorrangige Therapieziel. Bei massivem Untergewicht ist eine Sonderernährung und damit verbundene Klinikeinweisung unumgänglich. Erst nach Erreichung eines Zielgewichts kann die psychotherapeutische Behandlung im ambulanten oder stationären Rahmen beginnen. In der Therapie wichtig sind Vertrauensbildung und Motivationsarbeit. Wichtig ist auch eine ausreichende Information vor allem auch hinsichtlich körperlicher Folgeschädigungen. Es ist wichtig, die Eltern in die Behandlung mit einzubeziehen und über den oft langwierigen Krankheits- und Therapieverlauf aufzuklären. Die Ursache der Erkrankung soll nicht einfach bei ihnen gesucht werden und sie müssen oft lernen, den Patientinnen keine spezielle Schonung zukommen zu lassen. Kontrolle ist angesichts des häufig ausweichenden Verhaltens der Betroffenen der mitunter wichtigste Therapiebestandteil.

VERLAUFDie ausgeprägte Magersucht ist eine schwere, möglicherweise tödlich verlaufende Krankheit mit insgesamt ungünstiger Prognose. Uneinsicht und ausweichendes Verhalten erschweren den Therapieprozess. Bezüglich Heilungserfolg ist die Prognose bei Bulimie günstiger. Nicht nur für Angehörige, auch für Fachpersonen ist die Arbeit mit essgestörten Patientinnen eine grosse Herausforderung. Wichtig in der Arbeit sind ein störungsspezifischer Ansatz und entsprechend gut ausgereifte Behandlungskonzepte.